Vorsicht vor Ego-Bait! Warum du nicht jede Interview-Anfrage beantworten solltest

In letzter Zeit finde ich immer mehr Anfragen für „Experten-Interviews“, Nominierungen für Blog-Awards, wahllos zusammengewürfelte Top-Listen oder ähnliche Lobhudelei in meinem E-Mail-Postfach.

Zuerst freue ich mich, bis ich mir die Websites genauer anschaue, die mich angeblich so toll finden: Affiliate-Nischenseiten, dubiose Testportale oder auch Finanzportale, die thematisch mit meinem Blog überhaupt nichts zu tun haben, und mit zweifelhaften Finanzprodukten wie „Krediten ohne Schufa“ oder „binären Optionen“ werben.

Was sie von mir wollen: Reichweite und Backlinks. Was sie mir dafür geben: Ein aufgeblasenes Ego. Kein guter Deal, wenn du mich fragst…

Mit den zunehmenden Anfragen sehe ich leider auch immer mehr Blogger, die auf diesen „Ego-Bait“ reinfallen und sich für nichts interviewen lassen oder sich Siegel von irgendwelchen nichtssagenden Awards auf den Blog klatschen und sich damit nur selbst schaden.

1. Prinzip „Ego-Bait“

Das Prinzip, das hinter diesen Masche steht, nennt man Ego-Bait (engl. für Ego-Köder).

Jeder findet es toll, toll gefunden zu werden und einen lobenden Beitrag zum eigenen Blog oder zur eigenen Person zu erhalten. Kein Klang ist so lieblich und wichtig wie unser eigener Name, wie Dale Carnegie so passend sagte:

Remember that a person's name is to that person the sweetest and most important sound in any language.

Und um der Welt zu zeigen, wie toll man gefunden wird, veröffentlicht man diesen lobenden Beitrag auf den eigenen Social-Media-Kanälen, auf einer eigens angelegten „In der Presse/in den Medien“, auf der Kooperationsseite, als Siegel oder Logo auf dem Blog oder ähnliches.

An sich ist das auch in Ordnung. Ich schreibe mir auch gerne auf die Fahnen, wo ich lobend erwähnt wurde.

Problemtisch ist das nur dann, wenn man nichts dafür zurückbekommt und die eigene Eitelkeit von anderen ausgenutzt wird.

2. Welche Formen von Ego-Bait gibt es?

Ego-Bait gibt es in vielen verschiedenen Formen, wie z. B.:

  • Toplisten: Du wirst auf eine Liste mit den „Top 50 Mamablogs“, die „10 einflussreichsten Blogger 2017“ oder ähnliches aufgenommen, oftmals mit Badge, das du (mit dofollow-Link natürlich) auf deinen Blog einbauen kannst.
  • Awards: Die Steigerung der Topliste. Du wirst für einen Award nominiert oder gewinnst sogar einen und kannst dir dann „bester Blogger 2017 in Kategorie XYZ“ auf die Fahne schreiben.
  • Interview-Anfragen: Wenn jemand dich nach einem Interview fragt, gibt er dir Expertenstatus. Sehr verlockend. Vor allem, wenn dann noch ordentlich Lob obendrauf kommt, indem man die Interview-Reihe „Erfolgreiche Blogger“, „Experten-Interviews“ oder ähnliches nennt.
  • Einladung als Podcast-Gast: Wie „Interview-Anfrage“ nur mündlich.
  • Lobende Artikel oder Erwähnungen: Jemand schreibt einen lobenden Artikel über dich oder deinen Blog oder erwähnt dich in einem Artikel oder in den sozialen Medien als Inspiration, Experten etc.
  • Teilen oder Nutzung eins deiner Rezepte, Grafiken, Fotos etc.
  • Positive Testberichte zu einem deiner Produkte oder deiner Dienstleistungen (trifft wahrscheinlich auf die meisten Blogger nicht zu, dennoch erwähnenswert)

3. Lass dich nicht durch Ego-Baits ausnutzen!

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ego-Baits können eine tolle Marketing-Methode sein, die in einer Win-Win-Situation enden kann.

Ich selbst benutze von Zeit zu Zeit Ego-Baits, indem ich zum Beispiel Blogger oder Unternehmen, die ich in einem Artikel verlinke auch bei Facebook markiere, damit diese darauf aufmerksam werden.

Ausnutzung wird es dann, wenn die Empfehlung, die ich für jemand anders ausspreche, nicht ehrlich ist. Und wenn ich dem anderen absichtlich deutlich weniger gebe als er mir.

So werden Unternehmen oder Blogger in Artikeln lobend zu erwähnen oder ein Interview mit ihnen zu führen, aber diese Empfehlung abzuschwächen, indem…

  • das Unternehmen oder der Blogger gar nicht verlinkt wird (z. B. durch bloße Anzeige des Logos)
  • nur mit nofollow-Link verlinkt wird
  • der gesamte Artikel auf noindex gestellt wird (also nicht in den Suchergebnissen auftaucht und die Verlinkungen im Artikel nichts wert ist)
  • der Artikel so tief auf der Website vergraben wird, dass niemand ihn jemals lesen wird
  • der Artikel nie in sozialen Medien geteilt wird

Oder aber, dass der Nutzen stark einseitig ist, weil…

  • die Website, die dich lobend erwähnt, mitunter gar nichts mit deinem Blog-Thema zu tun hat
  • die Website gerade erst frisch aufgesetzt wurde und so ungefähr 30 Besucher im Monat bekommt (und vielleicht sogar vorgibt, deutlich mehr zu bekommen)
  • du deine Glaubwürdigkeit, deinen Expertenruf und/oder dein Google-Ranking auf's Spiel setzt (weil die Website, auf der das Interview veröffentlicht wird, total unseriös ist)

Du schickst dem Ego-Baiter also Link-Power, deine Leser und investierst möglicherweise noch ein oder zwei Stunden deiner Zeit um 10 Interview-Fragen zu beantworten, bekommst aber keine Leser (kein Schwein wir dein Interview je lesen) und keine Link-Power zurück und schadest möglicherweise noch deiner Glaubwürdigkeit.

Solche einseitigen Ego-Baits sind aktuell Trend in der SEO-Szene und werden in der Zukunft noch deutlich an Häufigkeit zunehmen. Also sei gewarnt und fall bitte nicht auf solche Anfragen darauf rein!

Bevor du ein Interview gibst oder blind alles und jeden verlinkst, der ein positives Wort über dich geschrieben hat, nimm dir 5 Minuten Zeit, um dir die Website oder das Unternehmen, das dahinter steht, genauer anzuschauen.

4 Gedanken zu “Vorsicht vor Ego-Bait! Warum du nicht jede Interview-Anfrage beantworten solltest

  1. Gut zu wissen, dass es nicht nur mir derzeit so geht… Ich dachte schon, meine Mail-Adresse wäre in irgendeinem komischen Verteiler gelandet, aber dann scheint das ja ein allgemeiner Trend zu sein.

    Am witzigsten fand ich bisher den Award für das kreativste Blogdesign. Um den zu erhalten hätte ich nur einen Artikel über den Verleiher schreiben müssen (natürlich inkl. Keyword-Link) und mir das Badge ganz oben in die Sidebar packen. Er war ganz erstaunt, dass ich nicht annehmen wollte xD

    Also mal wieder danke für diesen Artikel.
    LG Lexa

    • Hi Lexa,

      ja, und es ist damit zu rechnen, dass in der Zukunft noch mehr solcher Anfragen kommen werden. 😉

      Mit den Jahren hat Google Link-Building (und Ranking-Manipulation im Allgemeinen) immer schwieriger gemacht und SEOs schwimmen so langsam die Felle weg. Also werden jetzt Blogger per Ego-Bait dazu gelockt, zu verlinken.

      Das mit dem kreativsten Blogdesign ist ja echt der Knaller! 😀

      Ich wundere mich immer wieder über die Dreistigkeit der Unternehmen, aber es gibt leider immer noch zu viele Blogger, die auf sowas reinfallen…

      LG

      Finn

  2. Interessant, ich wusste gar nicht dass es sowas gibt. Ich hatte zwar schon mal eine Interviewanfrage, aber das war weil ich bei einer Konferenz einen Vortrag gehalten hatte (und ich musste auch nichts verlinken) und wurde bei einem Vergleichsportal als „Experte“ dargestellt (mit Link zu meinem Blog), aber ich musste nichts dafür tun außer einen Tipp für die Leser der Vergleichsseite beisteuern. Gerade Betreiber kleinerer Blogs/neue Blogger freuen sich über jedes positive Feedback und jede kleine Anerkennung, das auszunutzen ist wirklich nicht fair!

    • Nicht jede Interview-Anfrage ist Ego-Bait und manchmal ist Ego-Bait auch nicht schlimm, so lange man selbst auch etwas davon hat. 😉

      Aber ja, vor allem Vergleichsportale oder Nischenseiten nutzen so etwas, um an Links zu bekommen. Sie wenden sich damit auch gezielt an kleinere oder neue Blogger. Bekanntere oder größere Blogs springen auch weniger darauf an…

      LG

      Finn

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